Welche Veränderungen auftreten können

Jeder Mensch stirbt seinen eigenen Tod. Im Sterben geht der persönliche Lebensweg eines Menschen zu Ende. Es gibt kein Durchlaufen von Sterbephasen in einer bestimmten Reihenfolge, wie man dies lange Zeit vertreten hat. Hinweise auf mögliche Reaktionen eines Menschen ergeben sich vielmehr aus seiner Lebensgeschichte. So können Angehörige und Freunde, die die Vorlieben und Abneigungen des Sterbenden kennen, ihm auf seinem letzten Weg manchmal besser beistehen als Fremde, mögen diese auch fachlich noch so kompetent sein. Oft sind Menschen noch bis wenige Stunden vor ihrem Tod ansprechbar.

Die nachfolgend beschriebenen Veränderungen können auf ein baldiges Lebensende hinweisen, müssen jedoch nicht bei jedem Menschen auftreten.

Allgemeine Veränderungen im Verhalten:

  • Die körperliche Energie schwindet. Es verstärkt sich ein Bedürfnis nach Ruhe und Schlaf. Das Interesse an der Umwelt lässt nach.
  • Unruhe kann auftreten. Die Patienten zupfen dauernd am Betttuch, decken sich immer wieder ab, bewegen fahrig Arme und Beine. Es beruhigt sie dann, einen Menschen an ihrer Seite zu spüren – durch Berühren und ruhiges Ansprechen.
  • Einen oder wenige Tage vor dem Tod blühen manche Menschen noch einmal auf. Es scheint ihnen besser zu gehen, sie sind plötzlich „ganz klar", haben Appetit auf die Lieblingsspeise.
  • Viele halten in der letzten Lebensphase Rückschau; gehen Sie immer davon aus, dass Sie gehört werden und dass Berührungen gespürt werden.

Das Bewusstsein verändert sich: Manche Menschen scheinen im Halbschlaf oder Schlaf „schon weit weg" zu sein. Beim Erwachen erkennen sie die Umgebung nicht sofort, sprechen über oder sogar mit Unbekannten oder Bekannten, die bereits verstorben sind. Sie sollten Menschen in dieser Welt nicht stören und können versuchen, auf die Vorstellungen einzugehen. Das Bewusstsein kann sich trüben. Verhalten Sie sich weiter ganz normal und reden Sie so, als sei der Betroffene bei normalem, klarem Bewusstsein.

Der Kreislauf verändert sich: Mit der Veränderung des Kreislaufs ändert sich auch die Durchblutung. Der Puls wird schwach und zugleich schneller. Die Körpertemperatur sinkt, Arme und Beine werden kühler. Warme Socken und eine Wärmflasche können Kranke deshalb als angenehm empfinden. Manchmal tritt starkes Schwitzen auf. Eine dünne Decke oder ein Leinentuch verschaffen dann Erleichterung.

Die Atmung verändert sich: Die einzelnen Atemzüge werden schneller und flacher oder viel langsamer. Manchmal treten Atempausen auf oder der Atem wird ganz unregelmäßig. Durch die zunehmende Schwäche können die Patienten vor ihrem Tod den Schleim häufig nicht mehr abhusten. Es entsteht ein rasselndes Atemgeräusch, das den Sterbenden nicht beeinträchtigt. Es kann helfen, Kopf und Oberkörper höher zu lagern.

Hunger und Durst lassen nach: Viele Menschen möchten in den letzten Tagen nur noch ganz wenig oder nichts mehr essen. Es ist sinnvoll und hilfreich, eine gute Mundpflege durchzuführen und dabei die Mundschleimhaut anzufeuchten. Menschen sterben am Ende ihres Lebens nicht, weil sie aufhören zu essen und zu trinken. Menschen hören auf zu essen und zu trinken, weil sie sterben.

Der Stoffwechsel verändert sich: Manchmal tritt durch den veränderten Stoffwechsel im Sterbezimmer ein besonderer Geruch auf. Er lässt sich durch den Gebrauch von Räucherstäbchen, ätherischen Ölen, Duftlampen oder parfümierter Körpermilch abschwächen.

Wie viel Zeit bleibt noch? Diese Frage wird häufig gestellt, wenn sich die genannten Veränderungen einstellen. Eine genaue Antwort darauf kann niemand geben. Einige Anzeichen deuten darauf hin, dass der Tod unmittelbar bevorstehen könnte:

  • Die Augen wirken eingefallen und tiefer. Der Blick ist in die Weite gerichtet. Die Pupillen reagieren immer weniger auf Licht.
  • Der Mund steht offen, weil die Muskulatur schlaffer wird.
  • Die Gesichtsfarbe ändert sich, meist etwas gräulich, besonders um Mund und Nase.
  • An der Körperunterseite, an den Händen und Füßen bilden sich dunkle Flecken.
  • Der Puls wird schwächer und Atempausen werden länger.
  • Hände und Füße werden kalt.

In den meisten Situationen wird der Augenblick des Todes viel ruhiger erlebt als zuvor befürchtet. Es geschieht öfter, dass ein sterbender Mensch genau in dem Moment geht, in dem er alleine ist. Vielleicht fällt es ihm so leichter, sich von dieser Welt und von den geliebten Menschen zu lösen.

Wie sich die Sprache verändern kann

Manche Menschen können in der Nähe des Todes „noch hier" und zugleich „schon woanders" sein. Ihre Welt erscheint verändert, andere sind bis zuletzt bei klarem Bewusstsein. Menschen in Krisensituationen erkennen nicht, dass ihr inneres Erleben der Außenwirklichkeit nicht entspricht. Es ist also sinnlos, sie in die Realität zurückführen zu wollen. Patienten haben das Recht auf ihr Erleben, ihre vermeintlich verrückten Bilder. Sie sind darauf angewiesen, mit ihren Bildern ernst genommen zu werden.

Natürlich ist das bei „schönen" Bildern leichter als bei Bildern, die vom Sterben symbolisch, aber deutlich sprechen: „Die Koffer sind gepackt"; „Ich will nach Hause". Solche Aussagen werden oft zu schnell als „Verwirrtheit" gedeutet. Lassen Sie sich auf die Gedanken des Patienten ein. Ein Eingehen auf die Ideen und Phantasien und vorsichtiges Nachfragen machen bedrohliche Inhalte und Gefühle nicht etwa schlimmer. Im Gegenteil: Der Gefühlsstrom und Stress des Patienten lassen eher nach.

Die Begleiter müssen nicht alles verstehen und deuten können. Wichtiger ist die Sprache der Beziehung, des Daseins. Gesten, Berührungen, ein „Ja" – das alles „sagt" oft mehr als inhaltsreiche Worte. Auch Töne, Gerüche, Haltungen, sogar Schweigen, die Schwingung in der Stimme, der Zuspruch, der Blickkontakt kommen an, davon dürfen wir ausgehen. So enthalten auch Rituale – das Kreuzzeichen auf die Stirn, das Anzünden einer Kerze oder ein Stoßgebet – eine Sinngebung, ohne dass es der Erklärung und Besprechung der Situation bedarf.

Welchen Trost die Seele des Sterbenden braucht

Körperliche Veränderungen sowie Veränderungen im Sprechen kündigen den nahen Tod an. Für das Trostspenden am Sterbebett gilt in besonderer Weise, dass es Behutsamkeit und Einfühlung braucht. Die Haltung der Ehrfurcht wahrt das Geheimnis und die einmalige Würde dieses Menschen.

Was der sterbende Mensch zu Lebzeiten geglaubt, gehofft und geliebt hat, welche Einstellungen und Haltungen er in religiösen Fragen gewonnen hat, das sollten wir achten und würdigen, auch im Trösten. Fragen Sie sich, welchen Trost der Sterbende vielleicht noch erwartet:

  • Steht noch etwas zwischen Ihnen und dem Sterbenden, was bisher nicht ausgesprochen wurde? Sprechen Sie eine bestehende Schuld ihm gegenüber aus und bitten Sie ihn um Vergebung.
  • Sagen Sie dem sterbenden Menschen, dass jetzt alles „in Ordnung" ist, damit er getrost loslassen und gehen kann. Vergessen Sie nicht, sich bei ihm auch zu bedanken.
  • Ermutigen Sie Anwesende, dem Sterbenden noch etwas zu sagen. Es muss nicht laut ausgesprochen werden, es kann auch im Stillen gesagt oder leise ins Ohr geflüstert werden.
  • Hatte der kranke Mensch Kontakt zur Kirchengemeinde oder zu einer Glaubensgemeinschaft, dann scheuen Sie sich nicht, einen Seelsorger zu rufen.

Trösten erfordert einen Raum der Stille; es geschieht in leisen Tönen und behutsamen Gesten. Sprechen Sie liebevoll und zurückhaltend mit dem Sterbenden. Halten Sie seine Hand oder legen Sie Ihre Hand auf seine Schläfe. Zünden Sie eine Kerze an. Wenn Sie auf Wunsch des kranken Menschen bisher regelmäßig mit ihm oder für ihn Lieder gesungen, Texte vorgelesen oder gebetet haben, dann sollten Sie das jetzt auch tun.

Es kann tröstlich sein, im Sterben nicht allein zu sein. Möglicherweise aber signalisiert uns der Sterbende auch, dass er jetzt allein sein möchte. Wir haben das zu respektieren. Vielleicht kann er so leichter gehen.